Bauhistorische Untersuchung der Trinitatiskirche in Bad Tennstedt

In Vorbereitung der Sanierungsarbeiten an der Stützmauer des ehemaligen Kirchhofgeländes der Trinitatiskirche  wurde vom Thüringischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie  eine archäologische Untersuchung des abzugrabenden Geländes beauflagt.  Die Einlagerung der ausgegrabenen Gebeine führten mich täglich in die Sakristei der Kirche, dabei fiel mir die  Vielschichtigkeit des Baukörpers auf und die  sehr frühen Bauphasen des Nordturms. 

 

Zusammen mit Herrn Henning, der mich bei den Grabungsarbeiten über Orts- und Kirchenbaugeschichte informierte und bei der Bewertung der Funde unterstützte, der  Frau Matzdorff, Mitarbeiterin bei der Unteren Denkmalschutzbehörde im LRA Unstrut-Hainich- Kreis sowie Herrn Exel, der uns mit seinen archivarischen Kenntnissen hilfreich zur Seite stand, fand eine weitere, umfangreiche Kirchenbegehung statt.  Die dabei gesichteten  Befunde und Baunähte ließen auf einen sehr frühen romanischen oder karolingischen Baukörper mit Westwerk oder Zweiturmfassade schließen.

 

Die Entstehung und Bedeutung des Nordturms kann vorerst nur geahnt werden, aber auch hier weisen die sichtbaren Befunde in die vorgotische Zeit und auf eine Nachnutzung als Kirchturm hin.

 

Diese Befunde wurden in einer weiteren Ortsbegehung demzuständigen Erfasser und Referenten des TLDA  vorgestellt. Daraufhin wurden die Aufnahme und Untersuchung der bauhistorischen Befunde vom TLDA in Form einer bauhistorischen Untersuchung veranlasst. 

 

Eine bauhistorische Untersuchung ist ein wissenschaftliches Verfahren zur Ermittlung der Baugeschichte und des Bauzusammenhangs eines Baukörpers und besteht aus mehreren Teilen.

 

Die Untersuchung beginnt immer mit der Erfassung schriftlicher historischer Quellen und mündlicher Überlieferungen, der Archivrecherche und der Recherche historischer Abbildungen, Zeichnungen, Fotographien, Grundrissen, Ansichtskarten etc..

 

Voraussetzung für die Untersuchungen am Baukörper ist das Vorhandensein stimmiger Bestandsgrundrisse des zu untersuchenden Objektes. Ungenauigkeiten der Pläne werden im Verlauf der Untersuchungen korrigiert und in die Bestandspläne eingetragen.

 

Nach Schaffung dieser Grundlagen beginnt die Untersuchung der Raumschalen, Mauerwerke und Holzkonstruktionen.

 

Mittels Stratigraphien (Streifenschnitte) und Sondierungsfenstern (Putzöffnungen) werden Farbfassungen, Putzschichten und Mauerwerke sondiert, mögliche unter dem Putz verborgene Gewände  und Baunähte freigelegt und an Hand der Bauabfolge eingeordnet und bewertet.

 

Ein weiteres Hilfsmittel zur Bewertung der Entstehungszeit einzelner Wandscheiben ist die stilistische Einordnung der Tür- und Fenstergewände, die Bewertung der Werksteinoberflächen, (Behau, Material, Teiligkeit) sowie die Kartierung von Steinmetzzeichen.

 

Der Bauzusammenhang und die Veränderungen der Holzkonstruktionen werden durch Bestimmung und Vergleich der Holzarten, der Oberflächenbearbeitungen und der Gefüge- und Konstruktionsarten sowie der Kartierung der Abbundzeichen ermittelt.

 

Das Alter der eingebauten Hölzer wird durch dendrochronologische Untersuchungen bestimmt. Bei diesem Verfahren werden Bohrkerne aus den zu untersuchenden Hölzern entnommen und die Abstände der Jahresringe mit Standard- Jahresringkurven verglichen. Das mit dieser Methode ermittelte Fälldatum ist zugleich das Einbaudatum der verbauten Hölzer.

 

Nach Beendigung der Vorortuntersuchungen werden die Befunde verbal beschrieben, kartiert, ausgewertet und mit den historischen Datierungen und archivalischen Überlieferungen in Beziehung gesetzt.  Die Ergebnisse werden in Baualterspläne eingetragen, die Befunde  zeichnerisch und fotographisch dokumentiert und verbal zusammengefasst.

 

Die Untersuchung der Trinitatiskirche und des Umfeldes wird vermutlich zu einer neuen Bewertung der frühen Ortsgeschichte und Bebauung führen und die regionale baugeschichtliche Bedeutung von Bad Tennstedt aufwerten.

  

Zu dieser umfangreichen Untersuchung möchte ich Sie um Mithilfe bitten. Gesucht werden historische Abbildungen der Trinitatiskirche von außen und von innen. Benötigt werden Fotos, Zeichnungen, Drucke, Ansichtskarten, Zeitungsartikel, Bücher sowie Malereien, auf denen die Fassaden und der Innenraum oder deren Teilbereiche (Ausschnitte) und das Umfeld der Kirche zu sehen sind.  Sehr wichtig sind Fotos, auf denen die ursprüngliche runde Form und / oder/ die quadratische Basis der in den 1960 er Jahren achteckig überformten Spitzbogenpfeiler des Mittelschiffes zu erkennen sind.

 

Alle Abbildungen werden sorgsam behandelt und schadfrei nach dem Abfotografieren oder Kopieren an den Besitzer zurückgegeben. Substanz oder Qualitätsverluste sind nicht zu befürchten.

  

Ich freue mich auf viele interessante  Abbildungen und eine gute, konstruktive Zusammenarbeit.

  

W. Petzholdt

 Restaurator/Bauforscher