Geologie

Die geologischen Formationen in der Gemarkung werden vorrangig aus dem Oberen Muschelkalk, Keuper und von Gesteinen, Kiesen und Sanden gebildet, die an verschiedene Vereisungen unserer Heimat erinnern.


Die Höhenzüge werden aus Muschelkalk und Keuper gebildet. Durch den Unteren und den Mittleren Keuper, auch als Gipskeuper bezeichnet, wird die Keuperformation unseres Gebietes gebildet.


Die oben genannten Formationen werden durch ältere und jüngere Hinterlassenschaften der verschiedenen Vereisungen überdeckt. Unsere Vorfahren wussten diese Rohstoffe für verschiedene Zwecke zu nutzen.

 

Gesteine

So wurde im Norden der Stadt Kalkstein gebrochen. Im Tennstedter Tal an der Grenze zu Urleben der grüne Schilfsandstein.

Nordöstlich des Österberges, in Verlängerung des Kirchtales wurde Anfang des 20. Jh. Kies abgebaut, östlich der Papiermühle Sand und im Süden der Stadt, auf dem Weichberg, Diabas, ein vulkanisches Ergussgestein.

 

Durch den Wasserreichtum und in Verbindung mit dem vorhandenen Kalkstein kam es zur verstärkten Auslösung von Kalken. Diese lagerten sich südlich und östlich an dem Höhenzug ab und bildeten nach und nach im Bereich der späteren Stadt mächtige Schichten von Kalktuffen (Tuffsand, Röhrentuff). Der Röhrentuff, auch als Grottenstein bezeichnet, findet sich heute noch als Gestaltungselement in vielen Gärten unserer Gegend. Auch als Baumaterial war er begehrt, so kann man ab und an im Ort Gebäude, vorrangig Scheunen, sehen die aus Tuff erbaut sind. Außer diesen Kalktuffen wurden auch Travertine gewonnen.

Der Travertin soll in früheren Zeiten im Bereich des heutigen Friedhofs und des ehemaligen Brauereigartens abgebaut worden sein und zu Bauzwecken verwand (Kirche, Rathaus, Türme und Stadtmauer).

Kohle

Selbst nach Kohle haben unsere Vorfahren im 19. Jh. gegraben. Ohne großen Erfolg.

 

Wohlfahrt hat in seiner Chronik folgendes dazu geschrieben:

„Schon gegen Ende des Jahres 1848 hatte man in hiesiger Gegend nach Kohlen gegraben.

Immer mehr jedoch überzeugte man sich von der Vergeblichkeit dieser kostspieligen Experimente und wollte dieselben schon aufgeben, da ließ 1851 der Lehrer Jedermann auf eigene Kosten weiter graben und bohren.“

Man stieß auf ein 1 Fuß starkes Kohleflöz. Der Abbau war auf Grund der geringen Mächtigkeit und des starken Wasserzuflusses unrentabel. Lehrer Jedermann ließ auf dem Weichberg weiter graben, als aber bis 1855 die fünf Bergleute erfolglos waren, wurde der Tennstedter „Kohlebergbau“ eingestellt.

 

Dazu gibt Wohlfahrt folgenden bericht wieder:

 

„Zunächst bildete sich eine Aktiengesellschaft mit Aktien a 100 Taler. Das Graben eines Schachtes drohte an dem hohen Kostenpunkte zu scheitern, da ließ eine westfälische Gesellschaft einen solchen durch einen tüchtigen Steiger anlegen. Das zu Tage geförderte Material war zu stark mit Schwefelkies vermischt, um es gut brennen zu können. Schließlich verschwanden die Unternehmer auf Nimmerwiedersehen, das schöne Zimmerwerk im Schachte zurücklassend. Mit welchen Hoffnungen war das Werk begonnen worden! Als die ersten Kohlen gefördert waren, wurde ein einspänniger Wagen mit denselben beladen und durch die ganze Stadt gefahren unter Absingung des Chorals: „ Nun danket alle Gott“.

Ein Augenzeuge berichtet allerdings, das ganze habe einem Leichenzuge ähnlicher gesehen als einem Festzuge.“

 

Damit war die Entwicklung des Tennstedter „Ruhrgebietes“ beendet.

Boden

Der Löß in unserem Gebiet war die Grundlage, dass sich fruchtbare Böden bilden konnten. Die Fruchtbarkeit wird in den Chroniken immer wieder hervorgehoben.

M. Johann Gottfried Gregorii schreibt in seiner „Historischen Nachricht von Tännstadt…“

„Der Erdboden ist fast aller Orten fruchtbar/ und bringet Wein/Hopffen/Rocken/Weitzen/Gerste/Haber und allerley Hülsen=Früchte/auch Ani und Saflor herfür. Die Obst=Gärten sind ebenfalls so fruchtbar und anmuthig/Daß die Stadt zur Genüge mit Wohlschmeckenden Obst= und Garten=Früchten kann versehen werden.

Die Färber=Röthe wachset hier wie bay Gotha und anderen Orten wegen des guten Ackerbaues oder gesegneten Grundes gar gut/ und hat hiebevor der Waid=Handel dieser Stadt vortreffliche Nahrung und Zuwachs gegeben.“

 

Hermann Wohlfahrt hebt in „Tennstedt in Gegenwart und Vergangenheit“

den Wein- und Obstanbau sowie seine wohlangebauten Fluren hervor.

H. Schütz schreibt in seinem Beitrag zur Heimatkunde: Zur Geschichte des Kreises Langensalza – Stadt Tennstedt

„…. Für den Obstbau geschah überhaupt viel: Bei der am 14. bis 21. Oktober 1894 stattfindenden Obstausstellung konnte die Stadt von ihren 15 Hektar umfassenden Obstbauanlagen gegen 120 Arten ausstellen (darunter 64 Sorten Dauerobst, 13 Birnen-, 51 Apfelsorten).“

 

In einem Artikel „ Die Heilinger Höhen“ Der Pflüger 1924 schreibt Bernhard Klett:

„ Der Unterkeuper ist durchweg an der Oberfläche zu einem außerordentlich fruchtbaren, tiefgrüngründigen Boden verwittert. Die Abhänge der flachen Hügel sind mit Obstpflanzungen bedeckt. Zum Versand kommen besonders Zwetschen. Die Hauptausfuhrorte sind die am Rande der Heilinger Höhen gelegenen Orte Langensalza und Tennstedt. Im Jahre 1913 wurden von Tennstedt allein 16600 Zentner, von Langensalza 5010 Zentner verschickt, die freilich nicht ausschließlich auf den Heilinger Höhen, sondern auch im Unstruttale gewachsen waren.

 

Diese Auswahl aus Chroniken und Artikeln zu Heimatgeschichte zeigen wie fruchtbar die Böden der 2727 ha umfassenden Flur waren und sind.

Waidanbau

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war der Waidanbau in unserer Gemarkung stark verbreitet. Das führte dazu, dass Bad Tennstedt zu den im Herzen Thüringens gelegenen sechs Waidstädten: Erfurt, Arnstadt, Gotha, Langensalza, Tennstedt und Weißensee zählte.

 

Da die Waidherstellung viel Wasser in Anspruch nahm, konnte sich dieser in unserer Stadt, auf Grund der natürlichen Gegebenheiten gut entwickeln.