Ältere Nachrichten über archäologische Funde

Die ersten archäologischen Funde bzw. Ausgrabungen werden von Hermann Wohlfahrt in

„Tennstedt in Gegenwart und Vergangenheit“ (Tennstedt 1894) erwähnt.

 

So wurde in den Sandgruben bei der Papiermühle ein Auerochsengerippe gefunden, von dem nur ein Horn geborgen wurde. Weiterhin verweist er auf einen Affenschädel der im Tuff gefunden wurde. Beim Bau der Straße zu den Horndörfern wurden gegenüber der „Hatschke“ mehrere Aschekrüge (Urnen mit Leichenbrand), ein Schwert, ein Jagdmesser, ein paar Steinwerkzeuge und andere Gegenstände aus grauer Vorzeit entdeckt. Im Garten des ehemaligen „Handwerkshauses“ (Große Kirchgasse) wurden 8 Aschekrüge im Lehmboden gefunden“.

 

1875 fand man unweit des ehemaligen Hospitals (Spittel), in der Bahnhofstraße, unter ganz dichtem Tufffelsen ein vorweltliches Gerippe (damals im Besitz des Badedirektors Buddensieg). Der Verbleib dieser Altfunde ist nicht nachweisbar.

 

Wohlfahrt, berichtet weiter, in Rückgriff auf eine ältere Chronik, von der Untersuchung

„Der steinernen Jungfrau“ im Jahre 1801, einem Malezeichen auf der „Hatschke“. Diese Untersuchung ergab, dass das Zeichen ein Denkmal für einen im Kriege umgekommenen Mann war. Der Chronist vermutet in dem Toten einen Ritter, der die Schlacht zwischen Kaiser Otto IV., dem Grafen von Beichlingen und Graf Ludwig von Stollberg gegen Hermann von Vargula und Graf Günther von Schwarzburg nicht überlebt hatte. Diese Schlacht soll 1212 in der Nähe von Tennstedt (Johannes Renatus gibt in seinem Roman „Rudolf von Vargula“ das Jahr 1213 an) stattgefunden haben.

 

Die Beschreibung der Grabbeigaben (6./7. Jh.) lassen vermuten, dass es sich hier um eine merowingerzeitliche Bestattung handelt.

 

Mit dem Namen „Hatschke“ wird ein mittelalterliches Schlachtbeil bezeichnet, welches die Ritter im Kampf mit sich führten.

 

Das erste wissenschaftliche Gesamtinventar zu archäologischen Funden Thüringens

(A. Götze, P. Höfer, P. Zschiesche, „Die vor und frühgeschichtlichen Altertümer Thüringens“, Würzburg 1909, S. 170) vermerken aus der Gemarkung nur wenige Belege.

Ohne genaue Fundstellenangabe aufgeführt, werden vier jungsteinzeitliche Felssteingeräte (2 Beile, 1 facettierte Hammeraxt, 1 beschädigter „Steinhammer“), ein wohl in die Bronzezeit gehörendes verziertes Tongefäß (Amphora mit Riffelung) sowie die Später von B. Schmidt im Katalog „Die späte Völkerwanderungszeit in Mitteldeutschland“ (Berlin 1970) noch einmal ausführlicher vorgelegten frühmittelalterlichen Fund eines verzierten Tongefässes (Kumpf) und eines Kurzschwertes (Schmalsax). Genauer im Inventar von 1909 beschrieben sind die Grabfunde der frühen Eisenzeit (spätes 6. Jh. v. Chr.) mit reichen Schmuckbeigaben.

Diese Funde enthielt ein Grabhügel, der als „Kalkhügel“, namentlich in der örtlichen Geschichtsschreibung genannt wird H. Wohlfahrt erwähnt den „Kalkhügel“ in seiner Chronik als Begräbnisort von, in einer Schlacht (1275), Gefallenen. Der „Kalkhügel der auf einer markanten Höhe im Grenzbereich der Gemarkungen Bad Tennstedt, Haussömmern und Bruchstedt lag, wurde 1888 eingeebnet.

 

Otto Busch schreibt in seiner“ Vorgeschichte unseres Heimatgebietes Mühlhausen – Langensalza“ auf Seite 64 folgendes:“ auf einem Plane des Landwirts Rümpler, im Flurteil „das Gericht“, bei Tennstedt, ist 1888 ein Grabhügel abgetragen worden. Der Hügel, der einen Durchmesser von 40 Schritt hatte, wurde als „Kalkhügel“ (Galg = Galgenhügel) bezeichnet. Man fand das Skelett einer jungen Frau, von Nordosten nach Südwesten liegend.“

Die Funde wurden damals in das Museum Nordhausen verbracht.

 

M. Claus erwähnt in der Zeitschrift „Irmin“(Jena 1940) diese Funde ausführlich:

Ein Gefäß , mehrere Gefäßscherben, 2 Wendelhalsringe in Bruchstücken (Bronze), 15 Steigbügelarmringe (Bronze)teilweise gebrochen, weiterhin eine Bronzescheibe, Bruchstück einer gekröpften Scheibenkopfnadel, auf der Rückseite Reste eines eisernen Schaftes, des weiteren zwei Bernsteinringe, und zwei durchbohrte Bernsteinscheiben.

 

J. Jarschel beschreibt im“ Pflüger“ (1926) Funde, die bei Bauarbeiten am Westfuß des

„Österberges“ 1925/26 gemacht wurden, darunter drei sorgfältig niedergelegte Pferdeschädel. Brandspuren und urgeschichtliche Scherbenfunde wurden hier als Hinweise auf einen „heidnischen Opferplatz“ gewertet. Die Funde könnten durchaus im Zusammenhang mit einem unmittelbar westlich anschließenden, weitläufigen Siedlungsgebiet der späten Bronzezeit (12. – 9. Jh. v. Chr.) und der älteren römischen Kaiserzeit (1.- 2 Jh. n. Chr.) in Verbindung stehen, das schon durch den Bau des Stadions „Am Österberg“ in den 70 er Jahren des letzten Jahrhunderts großflächig zerstört wurde.   In den ersten Jahren nach 2000 konnte bei der Bebauung mit Einfamilienhäusern und dem Straßenbau („Tulpenweg“) der nördliche Bereich, oberhalb des Stadions, teilweise fachgemäß untersucht werden.

Nur dürftig erwähnt sind die weiteren Funde von Steinkistengräbern im Bereich des „Hirsedörfchens“, die im Zusammenhang mit den Fundamenten einer christlichen Kapelle oder Kirche auf dem Berg bzw. im Bereich der Baumaßnahmen von 1925/26 gebracht werden.

 

Der Eigentümer des Grundstückes hat die Platten der Gräber in die Nachbarorte verkauft, dort wurden sie als Treppenstufen oder als Bodenbelag für Viehställe benutzt.

 

1961 wurden beim Bau eines Doppelhauses (St. Andrae 16/17) in der Baugrube menschliche Knochen (Kind) Gefäßscherben und Holzkohlestücke entdeckt. Das ebenfalls geborgene große Bruchstück eines mittelalterlichen Grapen (13. Jh.) wurde dem Heimatmuseum in Bad Langensalza übergeben.

Quelle: TLDA

 

In den Siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde im Bereich St. Andrae im Rahmen einer Grabung Reste von Pferdeskeletten gefunden. Ein sichtbares Bodendenkmal ist der Grabhügel auf dem „Österberg“. Dieser ist der Kultur der „Schnurkeramiker“ zuzuordnen.

 

Die wohl bedeutendste archäologische Fundstelle ist die früh- bis hochmittelalterliche Burganlage nordwestlich vom Ort. Die dort gelegene Flur trägt seit Jahrhunderten den Namen „Auf den Bürgen“. Die am Ostauslauf des „Großurleber Berges“ gelegene Anlage, die nach drei Seiten durch relativ steil in das feuchte Niederungsgebiet abfallende Hänge natürlich geschützt ist, besteht aus einer „Hauptburg“ und einer „Vorburg“. Dabei ist die rundovale, ca. 120 x 100 m große Erhebung der Hauptburg durch einen tiefen Graben von der westlich anschließenden großflächigen (190 x 225m) Vorburg getrennt. Der noch gut erkennbare Grabenverlauf wird durch die heutige Trasse des „Hohlweges“ markiert.

 

Das Vorburggelände wurde schon in den 60 er Jahren durch den Bau von Stallanlagen, stark zerstört. Den unwiederbringlichen Verlust von wertvoller archäologischer Substanz belegen Aussagen von Augenzeugen, dass beim Bau ein Mauerrest von Zwei Meter Länge und ca. 80 cm Breite freigelegt und abgetragen wurde (W. Schirmer, 1180 Jahre Bad Tennstedt, 1965)

 

Die Anfänge der mittelalterlichen Burg liegen nach jüngsten archäologischen Funden wohl schon in karolingischer Zeit. Sie dürfte auch die Lokalität des aus der wissenschaftlich fundierten, ersten urkundlichen Erwähnung von Bad Tennstedt im Jahr 775 am Ort zu erschließenden, karolingischen Königshofes darstellen.

 

Eine intensive Nutzung der Burganlage lässt sich anhand der mittlerweile in großen Mengen geborgenen Funde, vor allem aus ottonischer Zeit (10. Jh.), ungebrochen über das 11., 12., und 13. jahrhundert bis zu ihrer Zerstörung als „Raubritternest“ durch Rudolf von Habsburg

1289/90 verfolgen. Funde des 14./15 Jh. weisen sogar auf eine weitere Nutzung des Geländes hin, wobei dessen fortgesetzte Funktion als Burg für diese Spätzeit ungeklärt ist.

 

Eine feste Wege- oder Reisestation der deutschen Kaiser, ähnlich der mittelalterlichen Station in Gebesee, ist ebenfalls möglich, da in Tennstedt am 01.11.1106 Kaiser Heinrich V. eine Urkunde für das Kloster Bibra ausstellte.

 

Eine Besiedlung des Areals der Vorburg und Hauptburg beginnt nicht mit der karolingischen Zeit, sondern lässt sich mit Hilfe des sehr umfangreichen Fundmaterial ab dem Ende des Neolithikums mit Unterbrechungen in der Bronzezeit über die Eisen-, Latene-. Römische Kaiserzeit, Merowinger- und Karolingerzeit bis in das Hochmittelalter verfolgen, wobei die Besiedlungstätigkeit bzw. der Nachweis menschlicher Anwesenheit auf der Anlage unterschiedlich intensiv ist.

 

Großes Interesse für die frühmittelalterliche Ortsgeschichte beansprucht auch die lediglich mündlich überlieferte Nachricht über einen schon 1959, beim Bau eines Werkstattgebäudes in der Brückenstraße, gemachten Fund von einer größeren Anzahl von Bronzegegenständen.

Diese Funde gelten als verschollen.

 

Präzise Beschreibungen erlauben zumindest für einen Teil der Gegenstände eine Identifizierung als Pferdezaumzeugbestandteile fränkischer Herkunft aus dem 7.Jh. (große „Riemenzungen“ mit typischer Punzverzierung, Gliederkette). Obwohl jegliche Hinweise auf die Fundart und auf eventuell vorhandene Skelettreste fehlen, besitzt die überlieferte Zusammensetzung am ehesten den Charakter von Beigaben aus Gräbern sozial bevorrechteter Personen. Vermutlich lag hier ein Bestattungsplatz der Besatzung einer fränkischen Militärstation, die sich eventuell auf dem nahe gelegenen Gelände der späteren Burg befand. Einige Lesefunde aus dieser Zeit (Gürtelschnalle, Keramik) weisen auf einen solchen Zusammenhang.

 

Unter dieser Voraussetzung liegt es nahe, einen gewissen „ideellen“ Zusammenhang mit der im näheren Umfeld durch den Flurnamen „ St. Andrae“ überlieferten Kirche herzustellen. Deren Errichtung als zugehöriger Sakralbau, wird von der historischen Forschung zumindest schon für den urkundlich 775 bezeugten karolingischen Königshof vermutet, dessen Lage dabei ebenfalls auf dem Burggelände angenommen wird. M. Gockel“ Die deutschen Königspfalzen“, Band 2 Thüringen (2000)

 

Dass sich im Niederungsbereich südlich der Burg schon früh günstige Siedlungsmöglichkeiten boten, zeigen Funde die im Zusammenhang mit Baumaßnahmen in den Jahren 2001 bis 2004 geborgen wurden. So konnte im Erdaushub dieser Baumaßnahmen einzelne jungsteinzeitliche Tonscherben (Linienbandkeramik, 2. Hälfte 6. Jahrtausend v. Chr.) sowie beim Neubau eines Einfamilienhauses, ebenfalls in „St. Andrae“, 2001 germanische Siedlungsstrukturen (Grubenhaus, Kulturschicht, Fibel, Haarhäuser Keramik) aus dem 3. Jh. n. Chr. nachgewiesen werden.