Besiedlungsablauf auf dem Gelände der mittelalterlichen Burganlage

Besonders von der durch jahrzehntelangen Spargelanbau in ihren archäologischen Fundschichten stark gestörten Hauptburg wurden massenweise Tonscherben und andere Siedlungsbefunde geborgen.

 

Form- und Ziermerkmale der Gefäßkeramik bilden die wichtigste Grundlage für eine Rekonstruktion des Besiedlungsablaufs auf diesem Fundplatz.

 

Die älteste Nutzung geht bis an das Ende der Jungsteinzeit und an den Beginn der Bronzezeit zurück, wie zwei verzierte Scherben eines reich verzierten Glockenbechers (2450 -2000 v. Chr.), Feuersteinklingen, das Bruchstück eines Steinbeils   und mehrere Scherben der Frühbronzezeitlichen  Aunjetitzer Kultur (2300/2200 – 1600 v. Chr.) belegen.

 

Nach einer offensichlichen Lücke von ca. 800 bis 1000 Jahren wird der Bergsporn wieder intensiv in der späten Bronzezeit (ca. 10. – 9./8. Jh. v. Chr.) besiedelt. Eine weitere Nutzung in der frühen Eisenzeit (7./ frühes 5. Jh. v. Chr.) und der Latenezeit (5. bis 1. Jh. v. Chr.) ist durch einige Scherben belegt. Eine Nutzung durch die späteisenzeitliche bis frühkaiserzeitliche Großromstedter Kultur (ca. 50 v. – 20 n. Chr.) deutet sich vorerst nur durch zwei unsichere Keramikfunde an.

 

Eine erneute intensive und kontinuierliche Besiedlung, die auch die spätere Vorburg stark einbezog, erfolgte dann wieder während der römischen Kaiserzeit (1. bis 3./4. Jh. n. Chr.).

Neben vielen einheimischen Scherben stammen von hier drei provinzialrömische Importfunde des 2./3. Jh. darunter das Fragment eines rot glänzenden Terra sigllata Bechers aus einer obergermanisch-gallischen Manufaktur der aus der 2. Hälfte des 2./ 1. Drittel des 3. Jh. bestimmt werden konnte. Hinzu kommen die Randstücke eines wassergrünen und eines blaugrünen Glasgefäßes, die wohl dem 3. Jh. angehören und vermutlich aus dem Rheingebiet stammen.

 

Einzelfunde des 5./6. Jh. (siehe oben) deuten auf ein Weiterbestehen   der Siedlung bis in die Zeit des Thüringer Königreiches (ca. 450 – 531/534 n. Ch.) bzw. der nachfolgenden fränkischen Kolonisation (2. Hälfte 6.Jh. n. Chr.).

 

Den bedeutendsten Hinweis für die bislang nur durch unsicher datierbare Keramikscherben des 8./9. Jh. angedeutete Frühzeit der mittelalterlichen Burganlage stellt die bereits oben erwähnte spätkarolingische Silbermünze dar.

 

Diese Münze hat eine gut erhaltene Vorderseitenumschrift, die lautet:

+ LVDOVVICVS REX IMI, ?

 

die Rückseitenumschrift lautet:

+ COLONNE CIVITAS.

 

Die beiden Bildseiten zeigen Kreuz und tempelartige Kirche.

Foto: Thüringisches Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie, Weimar

Standort: Mühlhäuser Museen (Inv.-Nr.: III/02/171)

Im 10. bis 13. Jahrhundert zeigen charakteristische Scherben die intensive Nutzung des

Geländes an.

 

Hier dürfte sich auch der karolingische Königshof befunden haben, der in der Urkunde vom 3. August 775 als Fiskalgut Tennstedt (similiter donamus ad ipso sancto loco alia decima ex alio fisco nostro qui vocatur Dannistath in pago Altgauui) genannt ist.

Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld

Im Kapitel über die Tennstedter Burgen werden ergänzende Informationen gegeben.