Jungsteinzeit (ca.5500 – 2300/2000 v. Chr.)

Diese Periode umfasst in Mitteleuropa etwa eine Zeitspanne von 3500 Jahren und reicht von der Einführung der bäuerlichen Wirtschaftsweise (um 5500 v. Chr.) bis zur Durchsetzung der Bronzemetalltechnologie (um 2000 v. Chr.).

 

Im Laufe des Neolithikums ist schon eine gewisse gesellschaftliche und wirtschaftliche Differenzierung zu verzeichnen. Auf der Grundlage von Ackerbau und Viehzucht wurden auch andere Erwerbs- und Produktionsquellen wie Handel oder Bergbau zur Sicherung und Mehrung des Unterhalts genutzt.

 

Am Ende der Entwicklung lassen sich durch reichere Grabbeigaben soziale Schichtungen fassen. Die dann am Übergang zur Bronzezeit in den aufwendig, unter großen Grabhügeln und prunkvoll mit Bronze- und Goldbeigaben ausgestatteten mitteldeutschen Fürstengräbern“, wie Leubingen, Kr. Sömmerda, gipfeln.

 

In dem oben genannten Zeitraum lassen sich auch in unserem Heimatgebiet erste kulturelle Kontakte und Austauschbeziehungen mit anderen Regionen nachweisen. Diese konnten mit Fundmaterial unterlegt werden. Hierzu gehören Nachweise von importierten Gegenständen und Rohmaterialien wie z. B. die Einfuhr von Kieselschieferartefakten oder Feuersteinartefakte aus dem bayerischen Raum schon während der ersten Hälfte des 5. Jahrtausends v. Chr.

 

Die ältesten jungsteinzeitlichen Funde in unserer Gemarkung repräsentieren linienverzierte und unverzierte Tongefässscherben, Steinbeile und Feuersteingeräte. Sie gehören in die Frühphase der Jungsteinzeit (Neolithikum) und datieren in die zweite Hälfte des 6. Jahrtausends v. Chr.

 

Das umfangreiche Fundmaterial stammt aus einer Siedlung der so genannten linienbandkeramischen Kultur (benannt nach der bevorzugten Verzierungsweise der Tongefäße in Form von, vor dem Brand, eingeritzten Linienornamenten) auf dem Plateau und dem Südhang des „Urleber Berges“, nordwestlich von Bad Tennstedt. Ein zweiter kleinerer Fundplatz befindet ich im Gebiet „St. Andrae“, im Bereich der Einfamilienhäuser.

 

Die Träger dieser Kultur waren die ersten Ackerbauern und Viehzüchter Mitteleuropas. Mit ihrem Vordringen aus den Ursprungsgebieten im heutigen Ungarn und der Slowakei nach Norden setzt in großen Gebieten Mitteleuropas, so auch im gesamten Thüringer Becken und auch in unserer Gemarkung, die sesshafte kontinuierliche Besiedlung ein.

Wie intensiv die Besiedlung war zeigt sich daran, dass im Unstrut-Hainich-Kreis, während der 600 Jahre währenden Bestandszeit dieser Kultur, z. Zt. 100 Siedlungen und einige Gräberfelder bekannt sind.

 

Mit der Einwanderung in unser Gebiet brachten die linienbandkeramischen Bauern auch neue Techniken und Entwicklungen mit. Dies waren der feste Pfostenhausbau, die Herstellung von gebrannten Tongefässen (Keramik), die Textilherstellung und die Fertigung von geschliffenen und durchbohrten Steinbeilen und –äxten.

 

Vereinzelte weitere Funde des Spät- und Endneolithikums (Scherben, Fels- und Feuersteingeräte) sind an verschiedenen Stellen in der Gemarkung gefunden worden.

So südwestlich des Ortes Scherben, Feuersteinklingen und ein Bruchstück einer facettierten Axt der Bernburger Kultur (ca. 33000 – 2750 v. Chr.) und Schnurkeramischen Kultur

(ca.2750 -2000 v. Chr.) . Des Weiteren stammt ein dicknackiges Feuersteinbeil der

Kugelamphorenkultur (ca. 3100 – 2450 v. Chr.) vom Tulpenweg.

Scherben, ein Bruchstück einer facettierten Axt sowie ein unfertiger Keulenkopf (angebohrt)

der Schnurkeramischen Kultur (ca. 2750 – 2000 v. Chr.)südöstlich des Ortes in der Nähe der alten Bahnlinie gefunden .Die endneolithische Glockenbecherkultur

(2450 – 2000 v. Chr.) konnte an 4 Fundplätzen in der Gemarkung nachgewiesen werden.

 

Im Jahr 2006 wurde westlich vom Ort ein überpflügter Grabhügel der Schnurkeramischen Kultur (2750 – 2000 v. Chr.) mit Nachbestattungen von Brandgräbern aus der jüngeren Latenezeit (2. bis Mitte 1. Jh. v. Chr.) entdeckt.

 

Wenige nur allgemein für die Gemarkung belegte Altfunde von Steingeräten sowie Neufunde von einzelnen Feuersteingeräten und neolithischen Scherben auf den umliegenden Höhen, deuten auf eine ehemals weitaus intensivere Besiedlung im Neolithikum an. Deren einstiger Fundniederschlag ist jedoch aufgrund der exponierten Höhenlagen weitestgehend den jahrtausende langen Abtragungsvorgängen zum Opfer gefallen.

 

Die vielerorts registrierte intensive Bodenerosion ist vermutlich die Hauptursache für die gegenwärtig noch vorherrschende Besiedlungslücke (noch kein Fundnachweis) für das Paläolithikum und dem mittleren und jüngeren Neolithikum.

 

2006 wurde ein überpflügter Grabhügel der Schnurkeramischen Kultur (2750 – 2000 v. Chr.) mit Nachbestattungen von Brandgräbern aus der jüngeren Latenezeit (2./1. Jh. v. Chr.) entdeckt und untersucht.