Vorrömische Eisenzeit (800/750 – 15 v. Chr.)

Im Jahre 2005 konnte die Stelle des schon 1888 im Rahmen von landwirtschaftlichen Bodenaufbesserungen stark eingeebneten „Kalkhügels“ wieder eindeutig im Gelände lokalisiert werden. Nach den schon oben angeführten zeitgenössischen Berichten bei Götze/Höfer/ Zschiesche und den erhaltenen Funden waren damals reiche Frauenbestattungen der so genannten Thüringischen Kultur der frühen Eisenzeit (6. Jh. v. Chr.) entdeckt worden.

 

Der Hügel galt danach in der Fachwelt als völlig zerstört. Überraschenderweise ergaben die jetzigen Begehungen am Ort doch noch einen deutlichen Hügel aus Schwarzerde, der zumindest den damals angegebenen Durchmesser von „40 Schritt“ (GHZ 1909,170) entspricht.

 

Eine sofortige systematische Untersuchung durch die Mühlhäuser Museen erbrachte anhand ausgepflügter menschlicher Skelettreste und zahlreicher, meist modern beschädigter bronzener Tracht- und Schmuckobjekte wie Hals- und Armringe auch klare Belege für frisch zerstörte Körper- und Brandbestattungen.

 

Neben den schon bekannten Funden aus Gräbern des 6. Jh. weisen die Neufunde von charakteristischen Trachtbestandteilen (bronzene Gewandverschlüsse) auf eine Nutzung des Grabhügels bis ins 4. Jh. v. Chr.

 

2001 wurde ein weiters größeres Siedlungsgebiet im Nordwestbereich der Gemarkung entdeckt. Typische Keramikscherben von S-förmig profilierten Gefäßen, z. T. mit fingergetupften Rändern oder mit flächiger roter Bemalung, gehören zum gebräuchlichen Inventar der entwickelten späten Phase der Thüringischen Kultur der frühen Eisenzeit des 6. bis 5. Jh.v. Chr..

 

Geringe Siedlungsnachweise dieser Kultur deuten sich auch auf dem Gelände der späteren mittelalterlichen Hauptburg an. Zunächst noch unsicher (vereinzeltes Scherbenmaterial) ist dies für das schon in der späten Bronzezeit besiedelte Gebiet im Bereich „Goldborn“ und „Hatschke“ nachzuweisen.

 

Siedlungsfunde der älteren bis späten vorrömischen Eisenzeit (spätes 5. bis 1. Jh. v. Chr.); nach süddeutscher Terminologie auch als Latenezeit bezeichnet) gibt es im Bereich Bad Tennstedt nur zwei Fundstellen.

 

Auf den Bürgen wurde in den vergangenen Jahren eine geringe Anzahl Scherben, darunter eine Scherbe von einem jüngerlatenezeitlichen Drehscheibengefäß (2./1. Jh. v. Chr.) gefunden. Der zweite deutlicher e Fundnachweis befindet sich im Osten der Gemarkung. Hier befindet sich ein Siedlungsareal das großflächig und mehrperiodisch genutzt wurde. Hier kamen mehrfach Reste von typischer Drehscheibenkeramik zum Vorschein, die eine Siedlungsphase der jüngeren Latenezeit (2./1. Hälfte 1. Jh. v. Chr.) belegen.

 

Ein Fragment eines gedrechselten Armringes aus so genannten Sapropelit (schwarzgraues feinkörniges Sedimentgestein), das ein seltenes Importstück aus dem süddeutschen keltischen Siedlungsraum präsentiert, wurde im Fundareal geborgen.